Kammern des Schreckens

Samstag, 19. April 2014

Mauerblümchen [Lach mich tot über diesen Wortwitz]

Hardy Krüger
Zarte Blume Hoffnung
Liebesbriefe aus einer geteilten Stadt



In Briefen, Notizen, Tagebucheinträgen und Artikeln fasst John Ribbeck eine Liebesgeschichte zusammen, die vor ein scheinbar unumgängliches Hindernis gestellt wird: die Berliner Mauer. Jahr für Jahr Hoffnung, Zerrissenheit, Misstrauen, Unsicherheit, Sehnsucht.
Eine Geschichte über Vergänglichkeit.

Ein überraschender Roman. Trotz Cover und Grundgedanke eine unerwartet kitschlose, rührende Geschichte, die zugleich eine gewisse Portion Lehrreiches zu bieten hat. Für alle, die nicht hundertprozentig über den Ost-West-Konflikt Deutschlands informiert sind.

Ich kann mir vorstellen, dass eine ähnliche, wahre Geschichte wirklich dagewesen sein könnte, obwohl die Hauptfiguren des Romans rein fiktiv sind.


Es geht um die Vergänglichkeit weiblicher Schönheit, um den Wunsch nach künstlerischer, romantischer, menschlicher Anerkennung: aktuelle Themen in historischen Kleidern. Gleichzeitig wird ein Bild von wahrer Liebe gezeichnet, welches zugleich realistisch und doch auch idealistisch ist. Je nachdem, wie der Leser Leerstellen interpretiert.

Hardy Krüger komponiert eine kurze, aber intensive, traurige und doch wunderschöne Geschichte. Geschickt verbirgt er vor dem Leser, was er sich selbst erdenken soll. Und doch zeigt er so viel, dass er denselben in eine bestimmte Richtung zu lenken vermag.
Das Einbringen eigener Erfahrungen als Weltreisender bewirkt eine ungeahnte Authentizität, die das Lesen zum Vergnügen macht und zugleich Fernweh sät.

Allerdings ist das Bild, welches von der DDR gezeichnet wird, fast einseitig negativ, gar abschreckend und schockierend. Müsste man möglichst differenziert und ausgewogen informieren, wären weitere, sicher auch positive Aspekte angebracht gewesen - nun handelt es sich jedoch um die ganz und gar subjektive Wahrnehmung zweier Liebender, die eben gerade die harten Seiten des Konflikts zu spüren bekommen. Beide wissen außerdem, was vor sich geht, sie brauchen sich nicht gegenseitig darüber informieren. Das ist ja das Reizvolle an der Briefwechsel-Methode.

Diese wird zudem hervorragend angewandt. Krüger spart sich lästige Formalitäten, kürzt aufs Wesentliche und erreicht dadurch sogar Spannungsmomente.

Ein wirklich empfehlenswerter Roman für wenige kurze, aber intensive Lesestunden.

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Hardy Krüger, Zarte Blume Hoffnung
Erschienen am: 10.04.2007
Seiten: 144 (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-404-92250-5
Preis: 7,95 € [D]
Verlag: Bastei Lübbe
(Bildquelle: Lübbe)
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Hardy Krüger (eigentlich Franz Eberhard August Krüger), geboren am 12. April 1928 in Berlin-Wedding, ist Schriftsteller und Schauspieler, obwohl er als Schüler Ingenieur werden wollte. Die erste Filmrolle verkörperte er in einem NS-Film im Jahre 1943, und es wird klar, dass er nationalsozialistisch geprägt wurde. Dennoch änderten sich seine jungen Sichtweisen, als er bei Dreharbeiten in Babelsberg über das Regime aufgeklärt wurde und Menschen kennen lernte, die Juden zur Flucht verhalfen. Seine Schriftstellerkarriere begann Krüger 1970. In dem Roman Zarte Blume Hoffnung konnte er auf seine eigenen Erfahrungen als Weltreisender zurückgreifen. 

(weitere Informationen zu finden auf Wikipedia - wo auch sonst)





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